Melissa officinalis

Beschreibung

Die Zitronenmelisse stammt ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet, sie findet sich heutzutage jedoch auch andernorts wieder. Dieses bekannte „Küchenkraut“ mit seinem angenehmen Zitronenduft, frischen grünen Blättern und weiß-gelben bis blau-violetten Blüten wird oft in Kräutergärten angepflanzt, wo es mit großer Regelmäßigkeit von Bienen und Schmetterlingen besucht wird. Auch in so mancher Küche steht ein Töpfchen Zitronenmelisse, denn sie ist eine aromatische, beliebte und erfrischende Geschmackszutat. Es gibt Imker, die insbesondere Melissenhonig auf den Markt bringen. Der Gattungsname der Pflanze „Melissa“ deutet darauf schon hin: Melissa ist Griechisch für „Honigbiene”. Die deutschen Bezeichnungen Zitronenmelisse und Zitronenkraut entstanden aufgrund des Duftes und Geschmacks der Pflanze. Gesagt wird auch, dass Zitronenmelisse die gleichen heilenden und stärkenden Eigenschaften hat wie Honig und Gelée Royale (Bienenköniginfuttersaft). In der Monographie von Melissa officinalis der ESCOP werden jedoch einige spezifische Anwendungsgebiete genannt, die nicht ohne Weiteres auch auf Honig oder Gelée Royale zutreffen.


Volksheilkunde
Über Zitronenmelisse ist schon viel gesagt und geschrieben, und alles enthält einen Kern von Wahrheit. Der Botaniker John Gerard schrieb, dass das Kraut „das Herz tröstet und alle Trübsal vertreibt“. Im Mittelalter war es ein beliebter Bestandteil von „Jugendelixieren“. Der Alchemist Paracelsius braute einen Sud daraus, den er „primum ens melissae” nannte, und bis ins 18. Jahrhundert glaubte man, dass dieses Gebräu „die Jugend verlängere“. Der englische Autor, Architekt und Gartenbauer John Evelyn schrieb 1679 über die Pflanze: „Melisse ist unübertroffen für das Gehirn, da sie das Gedächtnis stärkt und die Melancholie energisch vertreibt“. Und allen, die fürchten, frühzeitig eine Glatze zu bekommen, sei zur Ermutigung gesagt: Früher sagte man, Melisse bringe die Jugend wieder, stärke das Gehirn, spende Trost bei einer schwächlichen Verfassung und verhindere Glatzköpfigkeit!

Wirkung

Wirksame Bestandteile
Ätherisches Öl (0,06-3,75% ) mit Monoterpenaldehyden (35-38 %) wie Citral a, Citral b, Citronella, Linalol, Geraniol; Flavonoide wie Luteolin, Quercitin, Apigenin und Kaempferol; Bitterstoffe, Gerbstoffe (4 %), Ursolsäure, Oleanolsäure, Kaffeesäure, Polyphenole wie Rosmarinsäure (bis 4 %); Terpene wie Pinen und Limonen.

 
Citronella ist für den angenehmen Duft und Zitronengeschmack verantwortlich; die getrocknete Pflanze enthält nur 0,02-0,2 % ätherisches Öl.

Wirkmechanismus

  • Die Monographie der ESCOP beschreibt ganz andere Anwendungsgebiete als in alten Kräuterbüchern zu lesen sind. Melisse soll nämlich besonders bei Anspannung, Angst, Unruhe und Reizbarkeit helfen. Van Hellemont nennt Melisse einen „Phytotranquillizer” und stellte fest, dass sich der Angriffspunkt für die beruhigende Wirkung im Bereich des limbischen Systems befindet. Als wichtigstes Anwendungsgebiet nennt er nervöse Beschwerden, zu denen er Herzrasen, nervöse Magen- und Darmbeschwerden, Spannungskopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Melancholie und leichte Überreiztheit zählt.
  • Melisse ist ein aromatisches Magenmittel (es enthält Bitterstoff und ätherisches Öl), das zur Linderung von Magen-Darm-Störungen mit Krämpfen angewandt werden kann (Karminativum und Spasmolytikum). Die Pflanze erhöht zudem die Gallensekretion, was die Verdauung optimiert.
  • Auffallend ist die empfohlene äußerliche Anwendung der Pflanze bei Herpes labialis (Lippenherpes). Die ESCOP empfiehlt die örtliche Anwendung – von Gel oder Creme – ab den ersten Symptomen von Herpes labialis bis einige Tage nach Abklingen der Läsionen mit einer Höchstanwendungsdauer von 14 Tagen. Besonders erwähnenswert ist eine zentrierte, offene, klinisch kontrollierte Studie, an der 115 Patienten mit Herpes simplex teilnahmen. Sie erhielten eine Creme, der Melisse hinzugefügt worden war. Die Anwendung der Creme verkürzte den Genesungsprozess erheblich und verlängerte die Intervallzeit zwischen den Infektionsausbrüchen signifikant. Eine zentrierte, doppelblinde, placebokontrollierte, klinische Studie mit 116 Patienten, bei denen durch die Anwendung der Creme innerhalb von fünf Tagen eine erhebliche Verkleinerung der Läsionsgrößen auftrat, bestätigte erneut die genannten positiven Ergebnisse.
  • In Tierversuchen wiesen Wissenschaftler eine spasmolytische Wirkung sowohl auf das Muskelgewebe des Darms als auch der Luftröhre nach. Diese Wirkung ist den ätherischen Ölen in der Pflanze zuzuschreiben. Des Weiteren entdeckten Forscher, dass nach der Einnahme eines hydrophilen Extrakts eine antivirale Wirkung gegen Grippeviren, Herpes-simplex-Viren und Impfstoffreaktionen erfolgte. Der Extrakt erweist sich zudem als Antioxidans und vernichtet freie Radikale.
  • Wissenschaftler messen der Rosmarinsäure entzündungshemmende Eigenschaften bei.
  • Auch beruhigende Wirkungen konnten in verschiedenen Studien nachgewiesen werden. Extrakte - in niedrigen Dosen verabreicht – verlängern die Schlafperiode, in hohen Dosen wirken sie peripher – jedoch nicht zentral – schmerzstillend.

Kontra-Indikationen

Warnhinweise und Gegenanzeigen werden in der Literatur nicht beschrieben. Dennoch ist bei der Einnahme von Extrakten in der Schwangerschaft oder Stillzeit Vorsicht geboten.

Nebenwirkungen

In der Literatur werden keine Nebenwirkungen beschrieben. Van Hellemont stellt fest, dass Melisse bereits in geringen Dosen wirkt und dass es sinnlos ist, die Dosierung stark zu erhöhen. Eine Kombination von Melisse mit Minze ist seines Erachtens wertvoll. Minze ist zwar ein stärkeres Karminativum, ist jedoch weniger schmackhaft und hat keine beruhigenden Eigenschaften.

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