Wie wählen Sie die richtigen Prä- und Probiotika aus?

Donnerstag 29-September-2022

Präbiotika und Probiotika beeinflussen das Darmmikrobiom jeweils auf ihre eigene Weise. Wissen Sie, wann Sie Präbiotika oder Probiotika verwenden sollten? Und kennen Sie die Qualitätsmerkmale eines hochwertigen probiotischen oder präbiotischen Nahrungsergänzungsmittels? Denn gerade bei Probiotika gilt: je höher die Qualität, desto höher die therapeutische Wirksamkeit. Dieser Artikel enthält einige hilfreiche Informationen, die Ihnen bei der Auswahl der richtigen Nahrungsergänzung helfen.

Probiotika oder Präbiotika einsetzten?

Um das Darmmikrobiom zu optimieren, wird im Allgemeinen empfohlen, mit 2–4 Wochen Präbiotika zu beginnen, gefolgt von einer Kur mit Probiotika. Durch die Einnahme von Präbiotika wird das bereits vorhandene Darmmikrobiom ausgeglichen und nimmt an Masse zu. Sobald das Darmmikrobiom aufgebaut ist, kann eine Kur mit Probiotika das mikrobielle Gleichgewicht optimieren. Gemeinsam unterstützen Probiotika und Präbiotika die dynamische Zusammenarbeit zwischen dem Mikrobiom und dem Wirt.

Bei anderen therapeutischen Anwendungen als der Optimierung des Mikrobioms können Probiotika und Präbiotika auch separat eingesetzt werden. Lesen Sie mehr über die Anwendungen in den Monographien Probiotika und Präbiotika.

Woran erkennen Sie ein hochwertiges Probiotikum?

Für Probiotika gilt: je höher die Qualität, desto höher die therapeutische Wirksamkeit. Um Sie bei Ihrer Auswahl zu unterstützen, finden Sie im Folgenden die wichtigsten Qualitätsmerkmale eines hochwertigen Probiotikums.

Quantität ist Qualität

Zunächst ist es wichtig, ein Produkt mit einer hohen Dosierung lebensfähiger Stämme und mit einer Garantie für die Lebensfähigkeit am Ende der Haltbarkeitsdauer zu wählen. Nur so können Sie sicher sein, dass die Bakterien zum Zeitpunkt der Einnahme noch lebendig und aktiv sind. Wählen Sie ein Produkt mit mindestens 1 Milliarde lebensfähiger Mikroorganismen, oft ausgedrückt als 1x109 KBE (koloniebildende Einheiten) [1]. Aber, wie gesagt, Quantität ist Qualität, also ist mehr immer besser.

Wenig Zusatzstoffe und gut verpackt

Zweitens ist es ratsam, Probiotika ohne zugesetzte Kräuter, Vitamine oder Mineralstoffe zu wählen. Die probiotischen Bakterienzellen sind nämlich empfindlich gegenüber Zusatzstoffen, vor allem während der Lagerzeit und der anfänglichen Rehydratationsphase. Um das Produkt vor oxidativen Schäden zu schützen (und möglicherweise um gesundheitsbezogene Angaben auf der Verpackung machen zu können), fügen einige Hersteller probiotischen Produkten Vitamin C zu [2]. Dies ist jedoch nur von Vorteil, wenn das Produkt während der Lagerung Wasser und Sauerstoff ausgesetzt ist. Wenn das Produkt ausreichend luft- und feuchtigkeitsdicht ist, hat es keinen Nutzen und kann sogar einen negativen Einfluss auf die Lebensfähigkeit der probiotischen Stämme haben [3,4]. Ein Produkt, das gut vor Umwelteinflüssen geschützt ist, hat eine längere Haltbarkeit. Für eine optimale Haltbarkeit des Probiotikums wird ein Produkt mit möglichst wenig Zusatzstoffen gewählt, sowie eine Verpackung, die so gut wie möglich vor Feuchtigkeit, Licht, Luft und anderen Umwelteinflüssen schützt.

Reich an Stämmen

In wissenschaftlichen Studien wird oft ein Stamm oder eine begrenzte Anzahl von Stämmen verwendet. Auf diese Weise kann eine gesundheitliche Auswirkung auf einen oder mehrere Stämme zurückgeführt werden [5]. In einigen Fällen wird die Verwendung eines Stammes oder einer bestimmten Mischung von Stämmen empfohlen, um eine therapeutische Wirkung zu erzielen. In der Praxis sehen wir außerdem immer mehr Nahrungsergänzungsmittel mit einem breiten Spektrum an Stämmen. Diese Breitspektrum-Nahrungsergänzungsmittel sind so konzipiert, dass sie die natürliche Vielfalt und die einzigartige persönliche Zusammensetzung des Darmmikrobioms unterstützen, schließlich besteht auch das Mikrobiom nicht aus einem einzigen Stamm. Die verschiedenen Stämme können einen synergetischen Effekt haben; das bedeutet, dass sich die Aktivität der verschiedenen Stämme gegenseitig verstärkt und sie zusammen einen größeren probiotischen Effekt erzeugen. [5,6]

Beständig gegen Verdauungssäfte

Die Bakterienzellen sind nur im Dickdarm wirksam, und um dorthin zu gelangen, müssen sie das Verdauungssystem durchlaufen. Die Bakterien müssen also resistent gegen Magensäure und Galle sein, um diese Reise zu überleben. Wählen Sie daher ein Produkt mit magensäure- und gallebeständigen Bakterien. Wenn ein Probiotikum morgens vor dem Frühstück eingenommen wird, ist die Magenentleerung am schnellsten und der Säuregehalt im Magen am günstigsten für die Passage [1]. Um die Bakterien zu unterstützen, können sie in Kapseln mit verzögerter Freisetzung verabreicht werden, so dass sie erst im Darm freigesetzt werden und der schwerste Teil der Reise, der Magen, bereits vorbei ist.

Welche Präbiotika sind am besten geeignet?

Die am häufigsten verwendeten Präbiotika sind Fructo-Oligosaccharide (FOS) und Galacto-Oligosaccharide (GOS). Viele Studien unterstützen die positive Wirkung dieser präbiotischen Ballaststoffe. Insbesondere die Laktobazillen und Bifidobakterien im Mikrobiom des Dickdarms fermentieren die Ballaststoffe und wirken sich so positiv auf die Gesundheit aus.

FOS kommt aus Zichorie

FOS wird aus Inulin produziert, einem Polysaccharid, das in über 36.000 Pflanzen vorkommt [7]. Vor allem die Zichorie ist reich an Inulin. Häufig wird eine Mischung aus Inulin und FOS verwendet, da die unterschiedlichen Kettenlängen der Poly- und Oligosaccharide für das Mikrobiom von Vorteil sind.

GOS wird aus Laktose hergestellt

GOS wird oft enzymatisch aus Laktose hergestellt, wodurch das Endprodukt hohe Konzentrationen an Laktose enthalten kann und daher für eine große Gruppe von (laktoseintoleranten) Menschen ungeeignet ist [8].

Wissen in der Praxis

Für ein optimales Mikrobiom sollten Sie zunächst mit der Einnahme von Präbiotika beginnen, gefolgt von einer Kur mit Probiotika. Das am häufigsten verwendete Präbiotikum ist FOS und wird oft mit Inulin kombiniert. Ein Qualitätsprobiotikum enthält mindestens 1 Milliarde lebensfähiger Bakterien, die gegen Verdauungssäfte resistent sind, wobei dem Produkt so wenig wie möglich Zusatzstoffe zugesetzt werden. Insbesondere Kräuter, Vitamine und Mineralstoffe können die Haltbarkeit und Lebensfähigkeit der Bakterien negativ beeinflussen. Aufgrund der natürlichen Vielfalt und der einzigartigen persönlichen Zusammensetzung des Mikrobioms wird eine probiotische Ergänzung mit einer großen Vielfalt an Stämmen empfohlen.

Literatur

1. Toscano M, Grandi RD, Pastorelli L, Vecchi M, Drago L. A consumer’s guide for probiotics: 10 golden rules for a correct use. Dig Liver Dis. 1 november 2017;49(11):1177–84.

2. Kurtmann L, Carlsen CU, Risbo J, Skibsted LH. Storage stability of freeze–dried Lactobacillus acidophilus (La-5) in relation to water activity and presence of oxygen and ascorbate. Cryobiology. 1 april 2009;58(2):175–80.

3. Kang M-S, Kim Y-S, Lee H-C, Lim H-S, Oh J-S. Comparison of Temperature and Additives Affecting the Stability of the Probiotic Weissella cibaria. Chonnam Med J. 1 december 2012;48(3):159–63.

4. Ying D, Sanguansri L, Weerakkody R, Singh TK, Leischtfeld SF, Gantenbein-Demarchi C, e.a. Tocopherol and Ascorbate Have Contrasting Effects on the Viability of Microencapsulated Lactobacillus rhamnosus GG. J Agric Food Chem. 12 oktober 2011;59(19):10556–63.

5. Chapman CMC, Gibson GR, Rowland I. Health benefits of probiotics: are mixtures more effective than single strains? Eur J Nutr. 1 februari 2011;50(1):1–17.

6. Timmerman HM, Koning CJM, Mulder L, Rombouts FM, Beynen AC. Monostrain, multistrain and multispecies probiotics—A comparison of functionality and efficacy. Int J Food Microbiol. 15 november 2004;96(3):219–33.

7. Davani-Davari D, Negahdaripour M, Karimzadeh I, Seifan M, Mohkam M, Masoumi SJ, e.a. Prebiotics: Definition, Types, Sources, Mechanisms, and Clinical Applications. Foods. maart 2019;8(3):92.

8. Torres DPM, Gonçalves M do PF, Teixeira JA, Rodrigues LR. Galacto-Oligosaccharides: Production, Properties, Applications, and Significance as Prebiotics. Compr Rev Food Sci Food Saf. 2010;9(5):438–54.