Lebensweise von Jägern und Sammlern beruhigt das Immunsystem

Freitag 17-Februar-2017

Das Nachahmen der Lebensweise von Jägern und Sammlern hat eine positive Wirkung auf die Gesundheit. Dies zeigt die Dissertation des Psycho-Neuro-Immunologen und Physiotherapeuten Leo Pruimboom. Seine Promotion zu diesem Thema findet am 30. Januar 2017 am Medizinischen Zentrum der Universität Groningen statt.

 

Wer heutzutage die Lebensweise von Jägern und Sammlern nachahmt, darf mit einer positiven Wirkung auf verschiedenste Gesundheitsparameter rechnen. Dies zeigt eine Studie an 51 gesunden Probanden und zwei Personen mit Fibromyalgie. Beobachtet wurde eine signifikante Abnahme des Körpergewichts, des BMI und der Medianwerte unter anderem von Insulin, Triglyceriden und Gesamtcholesterin.

 

Diese Ergebnisse gehen aus einem Experiment hervor, das Bestandteil der Doktorarbeit des Psycho-Neuro-Immunologen und Physiotherapeuten Leo Pruimboom war. Den Ausgangspunkt seiner Studie bildet die Hypothese, dass Bewegungsmangel als eigentliche Ursache praktisch aller menschlichen Krankheitsbelastungen anzusehen ist. Weiterhin vertritt der Autor die Auffassung, dass sich viele moderne Lebensmittel und Stress durch Beeinflussung des Immunsystems negativ auf die Gesundheit auswirken.

 

Egoistisches Immunsystem

Das menschliche Immunsystem zeigt, wie Pruimboom im theoretischen Teil seiner Dissertation argumentiert, eine Art egoistisches Verhalten – sowohl bei akuter als auch bei chronischer Aktivität. Darum spricht er von einem egoistischen Immunsystem. Ein akut aktiviertes Immunsystem wird normalerweise nach kurzer Zeit über eine Vielzahl von Mechanismen wieder ausgeschaltet. Dies bedeutet, dass sich Entzündungen von selbst  begrenzen, sodass der Körper vor den schädlichen Wirkungen des Immunsystems geschützt ist.

 

Eine chronische Aktivierung des Immunsystems wird durch ein Zusammenspiel zahlreicher sogenannter anthropogener Faktoren verursacht, zu denen Lifestyle-Faktoren wie übermäßiges Essen, langes Sitzen, Schlafentzug, mangelnde Bewegung und ungelöste psycho-emotionale Probleme zählen. Die Summierung dieser Risikofaktoren führt zur chronischen Aktivität der Stressachsen und zum Eindringen schädlicher Bakterienrückstände in den Blutkreislauf. Dies führt zu einer chronischen Low-grade-Entzündung.

 

Diese chronische Low-grade-Entzündung muss nach Leo Pruimboom als Ursache der meisten – wenn nicht sogar aller – chronischen nicht-übertragbaren Krankheiten betrachtet werden. Auch die Ernährung kann zu dieser Situation beitragen, beispielsweise durch den gestiegenen Verzehr von Weizen. Getreide enthält Pruimboom zufolge „Anti-Nährstoffe“ wie Gluten und Lektine, die beim Menschen zu Funktionsstörungen und Krankheiten führen können.

 

Nachahmung der Lebensweise von Jägern und Sammlern

Leo Pruimbooms Theorie stützt sich unter anderem auf eine Intervention, die in einer zehntägigen Wanderung durch die Pyrenäen bestand. Im Durchschnitt wanderten die 53 Teilnehmer jeden Tag etwa 14 Kilometer, wobei acht Kilogramm schwere Rucksäcke getragen wurden. Die Teilnehmer wurden mit natürlichen Nahrungsquellen versorgt und bereiteten ihre Nahrung selbst daraus zu. Das benötigte Wasser stammte aus Brunnen. Alle verbrachten die Nächte in Schlafsäcken im Freien und waren Temperaturen zwischen 12 und 42 °C ausgesetzt.

 

Das Erleben von Stressfaktoren, die in der Epoche der Jäger und Sammler üblich waren, wirkte sich positiv auf verschiedene anthropometrische Faktoren aus. Pruimboom schlussfolgert, dass das Erfahren dieser alten Stressfaktoren günstige Folgen für die Gesundheit mit sich bringen kann und präventiv gegen typische westliche Zivilisationskrankheiten wirkt.

 

Leo Pruimboom 

Leo Pruimboom ist Psycho-Neuro-Immunologe, Physiotherapeut und Physiologe. Er arbeitet als selbstständiger wissenschaftlicher Berater und Ausbilder, unter anderem für die Natura Foundation. Seine am UMCG eingereichte Dissertation wurde von ihm selbst finanziert und im Rahmen der Forschungsschule GUIDE, Forschungsprogramm Lifestyle Medizin durchgeführt.

 

Betreuer: Prof. F. A. J. Muskiet, Prof. C. Raison (Emory University, USA)


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