Low- grade- entzündunge: Neueste erkenntnisse

Mittwoch 26-Oktober-2016

 

| Dr. Remko Kuipers 
 
Was ist eigentlich eine Low-grade Entzündung? Wie entsteht sie? Was sind die Folgen? Und was kann man dagegen tun? Beim kPNI-Kongress in Antwerpen werde ich aus dem Blickwinkel meiner Spezialgebiete der evolutionären Medizin und Herz-Kreislauf- Erkrankungen Antworten auf alle diese Fragen geben. Hier schon einmal ein kleiner Vorgeschmack.

Er geht uns gut: Wir werden im Durchschnitt immer älter. Aber zugleich haben wir immer mehr mit Zivilisationskrankheiten zu kämpfen. Viele dieser Krankheiten sind altersbedingte  Krankheiten, die jedoch nun schon zu einem immer früheren Zeitpunkt im Leben auftreten. Außerdem sind in den meisten westlichen Ländern Herz-Kreislauf-Erkrankungen zur Todesursache Nummer eins geworden. Wie ist so etwas in unserer Wohlstandsgesellschaft möglich?

 

Übliche Verdächtige und zufällige Beteiligte

Die bisher vorherrschende Auffassung war, dass die wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht, Stress, fettreicher Ernährung, Cholesterin und mangelnder Bewegung zu sehen sind. Das sind die üblichen Verdächtigen.

 

Inzwischen wird jedoch immer deutlicher, warum einige dieser Risikofaktoren das Risiko von Herz-Kreislauf- Erkrankungen tatsächlich beeinflussen, während andere besser als zufällige Beteiligte betrachtet werden sollten. Diese Unterscheidung kann man nur treffen, wenn man mehr über die Rolle von Low-grade-Entzündungen weiß. 

 

Low-grade-Entzündungen sind, wie der Name schon sagt, eine leichte Form von Entzündung. Sie entstehen durch eine Aktivierung des lokalen Immunsystems. Im Gegensatz zu einer gesunden Entzündungsreaktion hört eine Low-grade-Entzündung jedoch nicht mehr auf und beginnt, Probleme zu verursachen.

 

Wichtigster neuer Risikofaktor  

Bekannte Auslöser, die zu Low-grade-Entzündungen führen, sind zum Beispiel Zigarettenrauch, Stress, Glucose und gesättigte Fettsäuren (Lipopolysaccharide, LPS).  Und wer meint, dass das alles gar nicht so schlimm ist, der hat sich gründlich geirrt.

 

Inzwischen ist die Low-grade-Entzündung der wichtigste neu hinzugekommene Risikofaktor für Zivilisationskrankheiten. Viele der einzelnen Risikofaktoren, die ich oben bereits erwähnt habe – wie Übergewicht und erhöhte Cholesterinwerte – scheinen in der Tat für Low-grade Entzündungen verantwortlich zu sein oder aber deren Folge.

 

Inzwischen wurden auch immer weitere Faktoren unseres Lebensstils gefunden, die dazu beitragen. Diese Erkenntnisse helfen uns, das Puzzle der Herz-Kreislauf-Erkrankungen langsam zu lösen. Low-grade-Entzündungen sind der Schlüssel dazu.

 

Überraschende Erkenntnisse im Zusammenhang mit Cholesterin 

Dass Low-grade-Entzündungen unsere Gesundheit in einem so starken Maß beeinflussen, ist noch längst nicht jedem bekannt. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen denken die meisten immer sofort an Cholesterin. Ist ein hoher Cholesterinspiegel wirklich immer ungesund? Oder ist nun auf einmal nur noch das schlechte LDL-Cholesterin ungesund, während das gute HDL-Cholesterin sogar gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt?

 

Leider ist es nicht so einfach. Unser Cholesterin scheint durch Low-grade-Entzündungen beeinflusst zu werden. Diese Entzündungen können dazu führen, dass selbst unser gutes HDL-Cholesterin schädlich wird! Wenn das keine überraschende Erkenntnis ist! Beim kPNI-Kongress in Antwerpen werde ich noch sehr viel ausführlicher über die neuesten Erkenntnisse auf diesem Gebiet berichten. Aber das ist nicht das einzige, das Sie wissen sollten.

 

Eine aktuelle Studie zeigt, dass auch Natriumsalz Low-grade-Entzündungen verursachen kann, durch den sogenannten Abwurf der Glykokalix. Dieser Abwurf sorgt außerdem für das Ansteigen des Blutdrucks. Hoher Blutdruck ist ein bekannter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Damit macht diese Studie erneut auf die risikoerhöhende Wirkung einer zu hohen Aufnahme von Natriumsalz über die Nahrung aufmerksam. Aber die Erkenntnis, dass dieser Prozess vor allem in Low-grade-Entzündungen wurzelt, verändert tiefgreifend die Art und Weise, wie wir damit umgehen sollten. 

 

Was sind die Folgen und was können wir dagegen tun? 

Die Folgen von Low-grade-Entzündungen reichen von Krebs und Autoimmunerkrankungen bis zu Bluthochdruck und Arteriosklerose. Letztere rufen dann Herz-Kreislauf-Erkrankungen hervor. Indem wir erkennen, wie Low-grade-Entzündungen entstehen, können wir als Gesundheitsexperten effektiv auf ihre Prävention hinarbeiten. Damit verhindern wir, dass wir bereits in immer jüngeren Jahren mit den Folgen konfrontiert werden.

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