Warum man Meetings im Gehen abhalten sollte...

Mittwoch 17-August-2016

Langes ununterbrochenes Sitzen schadet der Gesundheit. Darum liegt es jetzt voll im Trend, etwas dagegen zu tun, ganz besonders im Büro. Das erklärt den Boom von neuen Konzepten wie im Stehen Arbeiten, Desktop-Yoga und Meeting im Gehen. Aber bringt das wirklich etwas? 

 

Die heutigen Arbeitsbedingungen im Büro zeichnen sich im Allgemeinen durch größten Komfort für das körperliche Wohlbefinden aus. Da Tiere in der Natur niemals Energie verschwenden, sollte man erwarten, dass sich auch der Mensch nur dann bewegt, wenn ein zwingender Grund dafür vorliegt. Diese Erwartung erfüllen Büroangestellte in ganz hervorragender Weise. Doch zahlt der Körper im Laufe der Zeit einen hohen Preis dafür.

 

Wer seine Zeit vorwiegend sitzend verbringt, trägt ein um 112 % erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken, ein um 147 % erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und zählt zur Gruppe mit einer um 49 % erhöhten Gesamtsterblichkeit. Menschen, die viel sitzen, haben zudem häufiger hohe Cholesterinwerte, Rückenschmerzen, Darmkrebs und Durchblutungsstörungen. Wird Ihr Überlebensinstinkt durch diese Statistik ein wenig aufgerüttelt? Zählen Sie schon zu denjenigen, die begeistert jeden Tag mit dem Fahrrad zum Büro fahren? 

Evolutionär umdenken

Wenn wir nicht ohne weiteres bereit sind, uns von selbst zu ändern, dann müssen wir unsere Umgebung so verändern, dass wir zum aktiven Handeln gezwungen sind. Das könnte man als evolutionäres Umdenken bezeichnen. Erreichen lässt sich dies zum Beispiel mit Büros, in denen man im Stehen arbeitet, oder, indem man Meetings im Gehen abhält. In der Tat fällt die Entscheidung für gesundes Verhalten ungleich leichter, wenn ungesundes Verhalten gar nicht erst als Option zur Verfügung steht. Aber bringt das auch wirklich einen Nutzen für die Gesundheit?

 

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass bei Arbeit, die im Stehen erledigt wird, mehr Kalorien verbraucht werden. Außerdem wirkt im Stehen verrichtete Arbeit Übergewicht entgegen und hat eine positive Wirkung auf das Gehirn. Und sie wirkt sich auch positiv auf die Produktivität aus. Menschen, die im Stehen arbeiten, erwiesen sich in den Studien als um 46 % produktiver. Aber zu langes Arbeiten im Stehen ist auch wieder ungesund: Es kann sich ungünstig auf die Durchblutung auswirken, wovon viele Verkäufer ein Lied singen können. Vielmehr geht es darum, die richtige Balance zu finden.

Meetings im Gehen

Wir sind nicht dafür geschaffen, lange Zeit zu sitzen, aber auch nicht, um Marathon zu laufen. Gehen bringt einen viel größeren Nutzen für die Gesundheit. Die wichtigsten Vorteile sind eine bessere Kondition von Herz, Blutgefäßen und Lunge, ein verringertes Risiko von Herzerkrankungen, Schlaganfällen und Diabetes, geringerer Blutdruck, weniger Muskel- und Gelenkschmerzen, stärkere Knochen und weniger Bauchfett. Unsere Lebenserwartung kann dadurch um drei Jahre steigen.

 

Um alle diese Vorteile zu genießen, müssen wir uns für mindestens 30 Minuten pro Tag auf Schusters Rappen begeben. Da Meetings selten kürzer sind – und häufig länger dauern – bieten sie hierfür vielversprechende Gelegenheiten. Oder möchten Sie produktiver werden und schneller mit der Arbeit fertig werden, indem Sie im Stehen arbeiten?

Kein Ersatz für einen aktiven Lebensstil

Alles schön und gut, aber es gibt einen Haken bei der Sache: Wenn man pro Tag insgesamt mehr als 10 Stunden sitzt, werden alle Gesundheitseffekte von Meetings im Gehen oder Desktop-Yoga wieder vollkommen zunichte gemacht. Meetings im Gehen sind daher kein Ersatz für einen gesunden, aktiven Lebensstil. 

 

Denn daran ist unser Genom angepasst: Ein aktives Leben im Freien, bei dem man sich abwechselnd anstrengen und ausruhen muss, um zu überleben. Es ist schön, dass wir versuchen, diesen Teil unserer Evolution wieder in unser heutiges Leben zu integrieren. Jetzt müssen wir es nur noch schaffen, aus dem momentanen Hype eine gute und nachhaltige Gewohnheit zu machen.

Literatur

  1. Gregory Garretta, Mark Bendena, Ranjana Mehtaa, Adam Pickensa, S. Camille Peresa & Hongwei Zhao, Call Center Productivity Over 6 Months Following a Standing Desk Intervention, IIE Transactions on Occupational Ergonomics and Human Factors, 24 May 2016.
  2. Hannah E. Kling, Xuan Yang, Sarah E. Messiah, Kristopher L. Arheart, Debi Brannan, Alberto J. Caban-Martinez, Opportunities for Increased Physical Activity in the Workplace: the Walking Meeting (WaM) Pilot Study, Miami, 2015. Prev Chronic Dis 2016;13:160111
  3. McCarthy et al., The impact of cardio-respiratory fitness on an individual’s metabolic response to prolonged sitting and light activity breaks, Diabetes and Stratified Medicine, 2012.
  4. O\'Keefe J.H., Vogel R., Lavie C.J., Cordain L., Exercise Like a Hunter-Gatherer: A Prescription for Organic Physical Fitness, May–June, 2011 Volume 53, Issue 6, Pages 471–479.

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