Welche natürlichen Substanzen können das Immunsystem stärken?

Donnerstag 4-November-2021

Seit dem Aufkommen von COVID-19 wird der Prävention, auch von Seiten der Schulmedizin, zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt. Da Vorbeugen immer besser ist als Heilen, ist es besonders im Herbst und Winter gut, unser Immunsystem zusätzlich zu unterstützen. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Substanzen helfen können, damit das Immunsystem angemessen reagieren kann, wenn schädliche Mikroorganismen in den Körper eindringen. Um die Bedeutung dieser Substanzen zu verstehen, erläutern wir kurz die Grundlagen des Immunsystems.

 

Aufbau des Immunsystems

Die intakte Haut und intakten Schleimhäute bilden die erste Barriere zwischen dem äußeren und inneren Milieu. Sie bilden die erste Verteidigungslinie gegen Eindringlinge von außen. Gelingt es unerwünschten Mikroorganismen dennoch, diese Barriere zu durchbrechen und in den Körper einzudringen, aktiviert dies das Immunsystem. Dabei handelt es sich vor allem um das angeborene Immunsystem, auch zweite Verteidigungslinie genannt. Wenn das angeborene Immunsystem das Problem nicht alleine lösen kann, holt es sich die Hilfe des erworbenen Immunsystems (die dritte Verteidigungslinie). Das erworbene Immunsystem ist viel komplexer als das angeborene Immunsystem und weist verschiedene Arten von Reaktionen auf:

Humoral: die B-Lymphozyten (Immunglobuline), eine prinzipiell entzündungshemmende Reaktion, gesteuert durch das System der Typ 2 T-Helferzellen (Th2), das hauptsächlich gegen extrazelluläre Pathogene aktiv ist.

Zellulär: die T-Lymphozyten, eine zytotoxische Entzündungsreaktion, die vom Th1/Th17-System gesteuert wird, das hauptsächlich gegen intrazelluläre Mikroorganismen wirkt.

T-Regulierungssystem: überwacht das Gleichgewicht zwischen den Th1- und Th2-Systemen.

 

Die Immunantwort auf eine Infektion

Eindringlinge und schädliche Zellen werden auch „Antigen“ genannt (eine Kombination aus dem englischen Namen „Antibody Generator“). Ein Antigen ist ein Molekül, das eine Immunantwort auslösen kann. Das Coronavirus SARS-CoV-2 ist ein schädliches Antigen, gegen das eine solche Immunantwort erfolgen muss. Der Körper nutzt verschiedene Mechanismen, um alle Arten von schädlichen Mikroorganismen abzuwehren und gegebenenfalls unschädlich zu machen.

Es ist überlebenswichtig, dass das Immunsystem adäquat reagiert, wenn ein Krankheitserreger wie ein Virus oder ein Bakterium in den Körper eindringt. Im Falle eines Virus löst unser Immunsystem über das Th1-System eine Reaktion aus. Mit Hilfe von T-Lymphozyten wird eine sehr starke Entzündung erzeugt, die die mit dem Virus infiltrierten Zellen abtötet. Es nutzt die entzündungsfördernden Zytokine Interleukin (IL)-2 und IL-12, die Botenstoffe des Immunsystems sind. Bei einer solchen Immunreaktion spielen viele Prozesse eine Rolle. Es handelt sich um eine komplexe Kaskade von Ereignissen, die im Idealfall dazu führen, dass das Pathogen unschädlich gemacht wird und ein immunologisches Gedächtnis geschaffen wird, damit wir in Zukunft geschützt sind.

Krankheitserreger können schnell infiltrieren und replizieren und eine starke Immunantwort hervorrufen. Es ist äußerst wichtig, dass diese Immunreaktion den Erreger erfolgreich bekämpft und diese Reaktion auch (rechtzeitig) wieder endet. Eine übermäßige Immunreaktion, die nicht rechtzeitig endet, kann sehr viel mehr Schaden anrichten. Die Immunantwort verläuft jedoch nicht immer „nach Vorschrift“. Das sieht man zum Beispiel bei Patienten mit einem schweren Verlauf von COVID-19. Insbesondere dort scheint die initiale Immunantwort unzureichend zu sein. Die Krankheit kann einen schnell fortschreitenden Verlauf mit Hyperinflammation und einem Zytokinsturm haben, was zu schwerwiegenderen Folgen führen kann.

 

Welche Substanzen können Sie präventiv und zu welchem Zweck einsetzen?

Eine suboptimale Immunantwort kann präventiv durch den Einsatz von Substanzen verbessert werden, die für optimale immunologische Prozesse wichtig sind. Wir listen sie nachfolgend für Sie auf und erklären, warum wir diese Substanzen unter anderem als vorbeugend gegen Infektionen der oberen Atemwege wirksam ansehen.

 

Vitamin C

Vitamin C ist ein wichtiger Nährstoff für eine gute Immunantwort und dafür bekannt, vor Virusinfektionen zu schützen. Es ist sogar in der Lage, sie zu verhindern [1].

Im Körper befindet sich ein Vorrat an Vitamin C. Außerdem ist die in Leukozyten gespeicherte Vitamin-C-Menge 50- bis 100-mal höher als die Vitamin-C-Konzentration im Plasma. Der Vitamin-C-Vorrat in Leukozyten wird bei einer Infektion verwendet. Dadurch sinkt die Vitamin-C-Menge schnell und mit ihr die antioxidative Kraft des Körpers. Dies ändert das Gleichgewicht zwischen Antioxidation und Oxidation und ermöglicht es dem Körper, in einen oxidativeren Zustand einzutreten. Dieser oxidative Zustand aktiviert proinflammatorische Prozesse [1].

Tatsächlich finden sich bei Menschen mit einer Virusinfektion niedrigere Vitamin-C-Spiegel als bei gesunden Menschen [2]. Einen guten Vitamin-C-Status zu haben und aufrechtzuerhalten scheint daher wichtig für eine gute Abwehr gegen Viren.

 

Vitamin D

Auch Vitamin D spielt eine wichtige Rolle für die Funktion des Immunsystems. Es stärkt die angeborene zelluläre Immunität und stimuliert die Differenzierung von Monozyten zu Makrophagen. Darüber hinaus kann Vitamin D eine modulatorische Rolle bei der angeborenen Immunantwort spielen. Auf diese Weise kann Vitamin D dazu beitragen, das weniger entzündungsfördernde Zytokine produziert werden [1].

Vitamin D bilden wir unter dem Einfluss von (ausreichender) Sonneneinstrahlung in der Haut. Durch Umwandlung in der Leber und (dann) in der Niere wird die in der Haut gebildete Vorläufersubstanz von Vitamin D in das Wirkhormon 1,25-Hydroxyvitamin D (1,25(OH)2D) umgewandelt. In Deutschland ist es insbesondere im Herbst und Winter nicht möglich, genügend Vitamin D zu produzieren.

Seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie wird der Zusammenhang zwischen Vitamin D und COVID-19 erforscht. Diese Studien zeigen ein gemischtes Bild, wenn es um die Frage geht, ob der Vitamin-D-Status für eine COVID-19-Infektion wichtig ist oder nicht. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2021 kommt jedoch zu dem Schluss, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel im Serum tatsächlich signifikant mit einem höheren Risiko für COVID-19 verbunden ist und dass ein angemessener Vitamin-D-Spiegel dieses Risiko verringern kann [3].

Da ein Vitamin-D-Spiegel im Serum zwischen 100 und 150 nmol/L das Risiko reduziert, an einer Infektion der oberen Atemwege (und möglicherweise auch an COVID-19) zu erkranken [4], erscheint es sinnvoll, einen Vitamin-D-Wert anzustreben, der zwischen diesen Grenzen liegt .

 

Selen

Der Mineralstoff Selen ist ein wichtiger Nährstoff für eine gute Immunfunktion. Ein Selenmangel kann zu einer verminderten Funktion des Immunsystems und einer erhöhten Anfälligkeit für Virusinfektionen führen [6]. Selen spielt daher eine Rolle bei der Reduzierung des Risikos einer Virusinfektion und einer guten Abwehr dagegen [7]. Es gibt sogar Forscher, die es für plausibel halten, dass Selen die Reaktion von Menschen auf das SARS-CoV-2-Virus beeinflusst. Insbesondere ein niedriger oder suboptimaler Selenspiegel im Blut kann ein Risikofaktor sein [8].

Eine gute Selenversorgung des Körpers ist nicht nur notwendig, um eine Immunantwort auszulösen, sondern auch um eine Überaktivierung des Immunsystems oder eine chronische Entzündungen zu regulieren [9]. Auch hier ist es möglich, dass sich sowohl zu viel als auch zu wenig Selen negativ auf das Immunsystem auswirkt. Die genaue Wirkung von mehr als optimalen Selenspiegeln ist in der Wissenschaft jedoch noch nicht hinreichend geklärt [6].

 

Zink

Zink spielt eine wichtige, sogar essentielle Rolle bei Virusinfektionen. Zink hat entzündungshemmende Eigenschaften und wirkt als Antioxidans. Zink ist auch wichtig für die Reifung und Differenzierung von T-Zellen, für die Produktion von IL-2 und IFN-gamma und stimuliert Makrophagen zur Produktion von IL-12. IL-12 aktiviert NK-Zellen und zytotoxische T-Zellen. Ein Zinkmangel führt zu einem weniger gut funktionierenden Immunsystem und Immunschwäche [10]. Daher ist es wichtig, präventiv auf einen ausreichenden Zinkstatus zu achten.

Bei einer Zinksupplementierung ist darauf zu achten, dass der Serumwert von Zink nicht zu hoch wird. Sowohl ein zu hoher als auch ein zu niedriger Zinkstatus wirken sich nämlich stark negativ auf die Funktion des Immunsystems aus [11]. Bei sehr hohen Zinkdosierungen besteht zudem das Risiko einer Toxizität und eines relativen Kupfermangels.

 

Melatonin

Bei den meisten Menschen ist Melatonin als Schlafhormon bekannt. Melatonin spielt jedoch im Körper mehrere Rollen und eine davon ist die Funktion des Immunsystems. Wo das angeborene Immunsystem in eine Überreaktion und Hyperinflammation gerät, kann Melatonin diese Reaktion dämpfen. Darüber hinaus stimuliert Melatonin die Funktion des erworbenen Immunsystems. In mehreren Tierstudien wurde eine positive Wirkung von Melatonin bei potenziell tödlichen Virusinfektionen beobachtet [12] [13].

Aber auch beim Menschen scheint Melatonin diesbezüglich eine sinnvolle Intervention zu sein. In einer US-Beobachtungsstudie mit 26.779 Teilnehmern, von denen bei 8.274 durch einen PCR-Test COVID-19 diagnostiziert wurde, war die Verwendung von Melatonin signifikant mit einer um 28 % geringeren Wahrscheinlichkeit eines positiven PCR-Tests verbunden. Bei Afroamerikanern beträgt dieser Anteil sogar 52 % [14]. Es sind weitere und vor allem klinische Studien erforderlich, um festzustellen, ob Melatonin tatsächlich einen guten präventiven Wert gegen virale Infektionen wie COVID-19 hat. Ein erholsamer Schlaf, eventuell unterstützt durch den Einsatz von Melatonin, kann daher möglicherweise eine der Säulen einer besseren Widerstandsfähigkeit gegen Infektionen sein.

 

Wissen in der Praxis

Um eine eventuell geschwächte Widerstandskraft bei Ihren Klienten zu erhöhen, können Sie das Immunsystem mit den notwendigen Nährstoffen versorgen, damit es angemessen auf eindringende Krankheitserreger reagieren kann. Wenn Sie die Widerstandskraft erhöhen, kann eine Infektion verhindert und der Verlauf einer erworbenen Infektion positiv beeinflusst werden.

Ein ausreichendes Vorhandensein bestimmter Nährstoffe ist in jeder Phase unseres immunologischen Prozesses wichtig. Wichtige Stoffe sind Vitamin C, Vitamin D, Selen, Zink und Melatonin. Eine vollwertige Ernährung und ausreichender, qualitativ guter Schlaf sind die ersten Schritte zu einem besseren Immunsystem. Bei Bedarf wird eine Ergänzung mit einem hochwertigen Nahrungsergänzungsmittel empfohlen.

Literatur

Zhang, ‘Association between regional selenium status and reported outcome of COVID-19 cases in China | The American Journal of Clinical Nutrition | Oxford Academic’. Geraadpleegd 1 september 2020. https://academic.oup.com/ajcn/article/111/6/1297/5826147.

Boretti, Alberto, en Bimal Krishna Banik. ‘Intravenous vitamin C for reduction of cytokines storm in acute respiratory distress syndrome’. Pharmanutrition 12 (juni 2020): 100190. https://doi.org/10.1016/j.phanu.2020.100190.

Hagemann-Jensen, Michael, Franziska Uhlenbrock, Stephanie Kehlet, Lars Andresen, Charlotte Gabel-Jensen, Lars Ellgaard, Bente Gammelgaard, en Søren Skov. ‘The Selenium Metabolite Methylselenol Regulates the Expression of Ligands That Trigger Immune Activation through the Lymphocyte Receptor NKG2D’. Journal of Biological Chemistry 289, nr. 45 (11 juli 2014): 31576–90. https://doi.org/10.1074/jbc.M114.591537.

Nesse, Randolph M. ‘Maladaptation and Natural Selection’. The Quarterly Review of Biology 80, nr. 1 (maart 2005): 62–70. https://doi.org/10.1086/431026.

Pugach, Isaac Z., en Sofya Pugach. ‘Strong Correlation Between Prevalence of Severe Vitamin D Deficiency and Population Mortality Rate from COVID-19 in Europe’. MedRxiv, 1 juli 2020, 2020.06.24.20138644. https://doi.org/10.1101/2020.06.24.20138644.

Rink, L., en P. Gabriel. ‘Zinc and the Immune System’. The Proceedings of the Nutrition Society 59, nr. 4 (november 2000): 541–52. https://doi.org/10.1017/s0029665100000781.

Bounous, G., en J. Molson. ‘Competition for Glutathione Precursors between the Immune System and the Skeletal Muscle: Pathogenesis of Chronic Fatigue Syndrome’. Medical Hypotheses 53, nr. 4 (oktober 1999): 347–49. https://doi.org/10.1054/mehy.1998.0780.

Fumagalli, Marta, Davide Lecca, en Maria P. Abbracchio. ‘Role of Purinergic Signalling in Neuro-Immune Cells and Adult Neural Progenitors’. Frontiers in Bioscience (Landmark Edition) 16 (1 juni 2011): 2326–41. https://doi.org/10.2741/3856.

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