Die heilenden Aerosole des Waldes

Dienstag 15-Dezember-2020



Seit dem Ausbruch des neuen Coronavirus wird zunehmend über die Gefahren und Folgen einer Virusinfektion für unsere Gesundheit nachgedacht. Viren wie das Coronavirus können pathogen sein und dann über einen langen Zeitraum anhaltende Symptome verursachen. Darüber hinaus gibt es während der Wintersaison viele weitere Viren, die Krankheiten wie Erkältungen, Infektionen der Atemwege und Grippe verursachen können. Häufig werden diese Viren über die Luft verbreitet [1].


Die Verbreitung über die Luft erfolgt über relativ große Tröpfchen (die beim Ausatmen, Husten oder Niesen ausgestoßen werden) und möglicherweise auch über Aerosole. Aerosole sind winzige Partikel, die in der Luft schweben, viel kleiner als Tropfen. Sie sind nur wenige Mikrometer groß. Wussten Sie, dass es Aerosole gibt, die wir besonders gerne einatmen?


Der Wald stößt nämlich Aerosole aus.
Diese Aerosole, die hauptsächlich aus Terpenen und Terpenoiden bestehen, haben entzündungshemmende und angsthemmende Eigenschaften. Diese Stoffe spielen eine Rolle bei der gesundheitsfördernden Wirkung von sogenannten Waldbädern oder auch Shinrin Yoku. Da die aktuelle Coronapandemie vor allem unser Immunsystem und unser Stresssystem herausfordert, ist es in dieser Zeit besonders gut, sich im Wald aufzuhalten. Die Aerosole des Waldes haben eine positive Wirkung auf die Lunge und lassen Ihr Gehirn widerstandsfähiger gegen Stress werden.

Verschiedene Terpene und Terpenoide werden ständig von spezialisierten Speicherorganen in Blättern, Ästen und Stämmen von Bäumen ausgestoßen. Andere Terpene und Terpenoide werden als Abwehrreaktion auf die Infiltration eines Krankheitserregers synthetisiert. Diese Aerosole üben einen starken entzündungshemmenden Einfluss auf unser Immunsystem aus, indem sie proinflammatorische Zytokine wie verschiedene Interleukine, den Tumornekrosefaktor-alpha (TNFa) und den Nuklearfaktor-kappa B (NF-?B), den Transkriptionsfaktor, der eine Entzündungsreaktion auslöst, hemmen [2].


Insbesondere unsere Lunge und unser Gehirn profitieren von einem Waldspaziergang. So haben Tierversuche gezeigt, dass die präventive Exposition gegenüber bestimmten Terpenen und Terpenoiden die Produktion von proinflammatorischen Substanzen in der Alveolarflüssigkeit bei Lungenschäden hemmt [3,4]. Die Aerosole des Waldes haben auch eine antioxidative Wirkung. Ein regelmässiger Waldspaziergang könnte daher das Risiko einer Lungenentzündung und möglicher Lungenschäden als Folge einer Infektion verringern.


Oxidativer Stress, der z. B. durch ein aktiviertes Immunsystem oder psychosozialen Stress verursacht wird, kann sich schädlich auf die Funktion des Gehirns auswirken und auf Dauer sogar zur Entwicklung neurodegenerativer Krankheitsbilder beitragen. Neben der Tatsache, dass Waldbäder eine entspannende, angsthemmende und antidepressive Wirkung haben [5,6], können sie auch unser Gehirn vor oxidativen Schäden schützen.

 

Wissen in der Praxis

Im Wald befinden sich heilende Aerosole wie Terpene und Terpenoide. Täglich mindestens eine halbe Stunde im Wald spazieren zu gehen, hat positive Auswirkungen auf die Gesundheit [7] und ist buchstäblich ein Schritt in die richtige Richtung.

Literatur

1.            Knibbs LD, Sly PD. Airborne Transmission of Viral Respiratory Pathogens. Don’t Stand So Close to Me? Am J Respir Crit Care Med. 2016 Aug 1;194(3):253–4.

2.            Kim T, Song B, Cho KS, Lee I-S. Therapeutic Potential of Volatile Terpenes and Terpenoids from Forests for Inflammatory Diseases. Int J Mol Sci [Internet]. 2020 Mar 22 [cited 2020 Oct 22];21(6). Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7139849/

3.            C Z, J S, C F, F T. 1,8-cineol attenuates LPS-induced acute pulmonary inflammation in mice [Internet]. Vol. 37, Inflammation. Inflammation; 2014 [cited 2020 Dec 2]. Available from: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24197825/

4.            Vp B, As G, Fj L, Ts B, Pm S, Jp P, et al. Inhaled 1,8-cineole reduces inflammatory parameters in airways of ovalbumin-challenged Guinea pigs [Internet]. Vol. 108, Basic & clinical pharmacology & toxicology. Basic Clin Pharmacol Toxicol; 2011 [cited 2020 Dec 2]. Available from: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20722639/

5.            A F, K T, K N, T K, S O. A comparative study of the physiological and psychological effects of forest bathing (Shinrin-yoku) on working age people with and without depressive tendencies [Internet]. Vol. 24, Environmental health and preventive medicine. Environ Health Prev Med; 2019 [cited 2020 Dec 2]. Available from: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31228960/

6.            Mr F, K W. A Review of Field Experiments on the Effect of Forest Bathing on Anxiety and Heart Rate Variability [Internet]. Vol. 8, Global advances in health and medicine. Glob Adv Health Med; 2019 [cited 2020 Dec 2]. Available from: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31192052/

7.            H K, C S, H I, Bj P, T K, Y M. Combined Effect of Walking and Forest Environment on Salivary Cortisol Concentration [Internet]. Vol. 7, Frontiers in public health. Front Public Health; 2019 [cited 2020 Dec 2]. Available from: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31921741/

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