Das Lungenmikrobiom und das Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS)

Mittwoch 28-Oktober-2020



Das Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS) ist eine Lungenerkrankung, bei der sich Flüssigkeit in der Lunge ansammelt. Dadurch verringert sich die Menge an Sauerstoff, die die Lunge aufnehmen kann. Die Sauerstoffmenge im Blut der Person nimmt ebenfalls ab. Die Folge können dann Schäden an lebenswichtigen Organen und Organversagen sein. Dies ist eine lebensbedrohliche Situation. ARDS tritt auch bei der aktuellen COVID-19-Pandemie auf. Die Behandlung des ARDS besteht nach wie vor primär in der Unterstützung des Patienten, zum Beispiel durch mechanische Ventilation der Lunge. Die neuere Forschung bietet jedoch einen potenziell interessanten Ausgangspunkt für den langfristigen Einsatz anderer therapeutischer Interventionen.


ARDS, Entzündung und Pilze

Die Studie zeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Schweregrad des ARDS und der Vielfalt der Pilze in den Lungen des Patienten gibt. Eine geringe Diversität von Lungenpilzen scheint mit einem höheren Risiko für die Entwicklung einer schwereren Form des ARDS verbunden zu sein. Der zugrundeliegende Wirkmechanismus scheint die Kaskade der Hyperinflammation im Zusammenhang mit ARDS zu sein. Diese Kaskade ist wiederum mit der geringen Diversität der Pilze verbunden.


Das Lungenmikrobiom

Ein Mikrobiom ist ein komplexes Ökosystem aus allen Arten von mikrobiellen Zellen, die in und auf einem Körper leben. Verschiedene Körperteile haben ihr eigenes Mikrobiom. Es gibt das Darmmikrobiom, das Hautmikrobiom und auch die Lungen haben ihr eigenes Mikrobiom. Das Lungenmikrobiom ist sehr dynamisch und hat eine eigene, einzigartige Zusammensetzung.

Normalerweise liegt der Schwerpunkt auf den Bakterien, die Teil des Mikrobioms sind, aber in der Lunge scheinen auch die Pilze wichtig zu sein. Pilze können an der Aktivierung und Regulierung des Immunsystems beteiligt sein, dies ist seit langem bekannt. Da das ARDS eine hyperinflammatorische Reaktion des Immunsystems ist, untersuchten die Forscher daher die mögliche Rolle von Pilzen bei der Regulierung dieser Reaktion.


Die Studie

Im Zeitraum 2011 und 2019 nahmen 202 Patienten an der Studie teil, die mechanisch beatmet wurden. Von diesen Teilnehmern hatten 21 % ARDS, von denen die Mehrheit (61 %) Frauen waren. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 50 Jahre.

In der Studie wurden innerhalb von 48 Stunden nach der Intubation Schleimproben aus der Luftröhre entnommen. Diese Proben wurden mittels Next-Generation-DNA-Sequenzierung untersucht. Dabei zeigte sich, dass Teilnehmer mit ARDS eine geringere Diversität von Pilzen in der Lunge aufwiesen als Teilnehmer ohne ARDS. Organversagen, Schock und Sepsis wurden ebenfalls mit dieser geringen Diversität von Pilzen in Verbindung gebracht.

Wissen in der Praxis

Die Ergebnisse dieser Studie bieten einen ersten Hinweis auf eine mögliche Rolle des Lungenmikrobioms bei der Entwicklung einer Hyperinflammation in der Lunge. Eine sehr gefährliche Situation in dem so fragilen Gewebe der Lunge. Obwohl sich die Zusammensetzung des Lungenmikrobioms deutlich von z. B. dem Darmmikrobiom unterscheidet, ist es nicht undenkbar, dass die beiden miteinander verbunden sind. Es wäre daher interessant zu sehen, wie es um das Darmmikrobiom der untersuchten Teilnehmer steht. Es ist möglich, dass bei Menschen mit ARDS im Vergleich zu Menschen ohne ARDS hier ebenfalls eine (größere) Störung sichtbar ist. In jedem Fall ist eine Intervention zur Verbesserung der Lungenbarriere bei dieser Patientengruppe besonders interessant.


Literatur

https://www.medicalnewstoday.com/articles/study-finds-link-between-low-fungi-diversity-in-lungs-and-severity-of-ards

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