Gesunde Ernährung besser für Schulleistungen

Dienstag 1-September-2020



Früher berichteten wir, dass schlechte Ernährung ungünstiger für das Gehirn ist als Unterernährung. Mindestens ebenso interessant ist es aber zu wissen, ob es auch eine Ernährung gibt, die speziell für das Gehirn vorteilhaft ist. Untersuchungen der Kuopio-Universität in Finnland zeigen, dass diese durchaus existiert.

Forscher der Universität Kuopio behaupten, dass die Auswirkungen der Ernährung auf die schulischen Leistungen noch zu wenig erforscht sind. Deshalb untersuchten sie die Beziehung zwischen Ernährung und Schulleistungen bei Schulkindern weiter. Obwohl zusätzliche Forschung wünschenswert ist, sind die Ergebnisse klar: Gesunde Ernährung macht den Unterschied, vor allem auf kurze Sicht.

Studiendesign

161 finnische Kinder im Alter von 6 bis 8 Jahren nahmen an der Studie teil. Die Ernährungsfaktoren wurden alle vier Tage auf dem Mediterranean Diet Score (MDS), dem Baltic Sea Diet Score (BSDS) und dem Finnish Children Healthy Eating Index (FCHEI) erfasst. Die Ernährungswerte wurden mit den schulischen Leistungen in den Bereichen Lesekompetenz, Leseverstehen und Rechnen verglichen. Die Ergebnisse wurden u. a. im Hinblick auf Alter, Geschlecht, Gesamtenergieaufnahme und Grad der körperlichen Aktivität korrigiert.

Die Werte der mediterranen Ernährung zeigten eine positive Beziehung zum Leseverständnis bei Kindern im Alter von 8 Jahren. Also: Je öfter Lebensmittel aus der Mittelmeerdiät gegessen wurden, desto besser das Leseverständnis. Die Baltic Sea Diet zeigte einen positiven Zusammenhang mit der Lesefähigkeit im Alter von 7 bis 8 Jahren und dem Leseverständnis im Alter von 6 bis 8 Jahren. Die Werte beim FCHEI zeigten eine positive Beziehung zur Lesekompetenz im Alter von 6 bis 7 Jahren und zum Leseverständnis im Alter von 6 bis 8 Jahren.

Kinder, die bei BSDS und FCHEI am besten abgeschnitten haben, hatten wiederum bessere Lesefähigkeiten und ein besseres Leseverständnis als Kinder, die bei diesen Diäten am schlechtesten abgeschnitten haben. Auffallend war, dass keiner der Ernährungswerte mit den Rechenfähigkeiten korrelierte (Haapala 2016, Haapalaa 2015).

Mittelmeer, Ostsee und FCHEI

Von den drei verwendeten Diäten ist die Mittelmeerdiät wahrscheinlich die bekannteste. Sie enthält viel Fisch, Gemüse, Obst und Nüsse und mehr Vollkornprodukte als Produkte mit raffinierten Kohlenhydraten. Es war bereits bekannt, dass die mediterrane Ernährung den kognitiven Abbau bei älteren Menschen hemmt.

Ein etwas weniger bekanntes Ernährungsmuster ist die Baltic Sea Diet. Diese nordische Ernährung ähnelt im Großen und Ganzen der Mittelmeerdiät, besteht aber hauptsächlich aus Obst, Gemüse, Fisch, Beeren und Vollkorngetreide. Der Unterschied liegt vor allem in der Verwendung lokaler Produkte, z. B. häufiger Thunfisch im Süden und häufiger Lachs im Norden, oder häufiger Weizen im Süden und Roggen im Norden.

Der Finnish Children's Healthy Eating Index ist eigentlich keine Diät, sondern ein Abbild der Nährstoffaufnahme finnischer Schulkinder. Eine hohe Aufnahme von z. B. Zucker und gesättigten Fettsäuren führt zu einer niedrigen Punktzahl auf dem Index. Eine hohe Aufnahme von mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen, Vitamin D und E sorgt für eine hohe Punktzahl. Diejenigen, die bei dem FCHEI gut abgeschnitten haben, schnitten auch bei den Schulleistungen besser ab (Kyttälä 2014).

Lebensstil und schulische Leistungen

Seit der Veröffentlichung der finnischen Studie wurde mehr Forschung über die Auswirkungen von Ernährung und Lebensstil auf die schulischen Leistungen betrieben. Eine kanadische Studie an Jugendlichen mit einem Durchschnittsalter von 13 Jahren ergab, dass Faktoren des Lebensstils eine wichtige Rolle für die schulischen Leistungen spielen. Im Verlauf von 3 Jahren wurden Informationen über Faktoren des Lebensstils wie Schlaf und Bewegung, Essgewohnheiten, kognitive Kontrolle und Schulleistungen gesammelt.

Im Einklang mit den Erwartungen kam die Studie zu dem Schluss, dass die Schlafmenge mit der Schulleistung korreliert ist. Darüber hinaus wurden Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen festgestellt. So wurde beispielsweise nur bei Mädchen ein negativer Zusammenhang zwischen der Zeit, die in sozialen Medien und vor Bildschirmen verbracht wurde, und den schulischen Leistungen festgestellt. Bei Jungen wurden gesunde Essgewohnheiten mit besseren Schulleistungen in Verbindung gebracht. Bei Mädchen wurde ein Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung und kognitiver Kontrolle gefunden, jedoch nicht mit den schulischen Leistungen (Dubuc 2019).

Jung gelernt

Das Gehirn entwickelt sich während der gesamten Kindheit. Die Forscher waren neugierig, ob sich der Effekt einer gesunden Ernährung bereits in sehr jungen Jahren bemerkbar macht. In der Studie wurden 1 Jahr alte Kinder auf neurologische Entwicklungswerte getestet. Man kam zu dem Schluss, dass die neurologische Entwicklung umso besser verläuft, je länger die Babys gestillt werden. Darüber hinaus stellte sich heraus, dass die Kinder neurologisch besser entwickelt waren, wenn sie mehr Fisch, Gemüse und Obst aßen. Die positiven Auswirkungen einer gesunden Ernährung machen sich also bereits in sehr jungen Jahren bemerkbar (Blomkvist 2019). Es sind mehr und längere Forschungsarbeiten erforderlich, um festzustellen, ob dies z. B. die schulischen Leistungen im späteren Leben beeinflusst.

Wissen in der Praxis

Studien konzentrieren sich häufig auf die negative Seite einer unangemessenen Ernährung oder eines ungesunden Lebensstils. Gute Nachrichten diesmal, denn auch die gesunde Ernährung und Lebensweise wurden erforscht, und zwar mit vielversprechenden Ergebnissen. Eine gesunde Ernährung hat einen positiven Einfluss auf die neurologische Entwicklung von Säuglingen und die schulischen Leistungen von Kindern. Die mediterrane Ernährung und die Baltic Sea Diet wurden in finnischen Studien mit besseren Schulleistungen in Verbindung gebracht. Beide Diäten sind bekannt für den Verzehr von Produkten aus der Region und sind reich an gesunden Fischfettsäuren, Gemüse, Obst und Ballaststoffen. Neben der Ernährung ist es wichtig, dass die Kinder genügend Schlaf bekommen und die Bildschirmzeit verkürzen, um bessere schulische Leistungen zu erzielen.

Möchten Sie mehr über die Rolle gesunder Fischfettsäuren und die Gehirnentwicklung wissen? Lesen Sie

Literatur

    http://www.goodnewsfinland.com/study-says-baltic-sea-diet-reduces-the-risk-of-obesity/rush.edu/news/pressreleases/mediterranean-diet-associated-slower-rate-cognitive-decline

    Kyttälä P, Erkkola M, Lehtinen-Jacks S, Ovaskainen ML, Uusitalo L, Veijola R, Simell O, Knip M, Virtanen SM, Finnish Children Healthy Eating Index (FCHEI) and its associations with family and child characteristics in pre-school children, Public Health Nutr. 2014 Nov;17(11):2519-27.

    Haapala EA, Eloranta AM, Venäläinen T, Jalkanen H, Poikkeus AM, Ahonen T, Lindi V, Lakka TA, Diet quality and academic achievement: a prospective study among primary school children, Eur J Nutr. 2016 Sep 9.

    Haapalaa EA, Aino-Maija Elorantaa, Taisa Venäläinena, Ursula Schwaba, Virpi Lindia and Timo A. Lakkaa, Associations of diet quality with cognition in children – the Physical Activity and Nutrition in Children Study, British Journal of Nutrition / Volume 114 / Issue 07 / October 2015, pp 1080-1087

Dubuc, MM, Aubertin-Leheudre M, en Karelis AD. Lifestyle Habits Predict Academic Performance in High School Students: The Adolescent Student Academic Performance Longitudinal Study (ASAP). International Journal of Environmental Research and Public Health 17, nr. 1 (december 2019): 243-258

Blomkvist, EAM, Rudjord Hillesund E, Helland SH, Simhan I, en Øverby NC. Diet and Neurodevelopmental Score in a Sample of One-Year-Old Children—A Cross-Sectional Study. Nutrients 11, nr. 7 (juli 2019): 1676-1688


 

Cookies

Wenn Sie Ihren Besuch dieser Website fortsetzen und Inhalte durch Anklicken öffnen, stimmen Sie damit der Verwendung von Cookies zu. Mit Cookies sammeln wir Daten zu den Aktivitäten von Besuchern auf unserer Website. Mit diesen Daten erhöhen wir den Benutzungskomfort unserer Website und zeigen Ihnen diejenigen Informationen an, die Sie am meisten interessieren. Wenn Sie keine Cookies akzeptieren, können Sie keine Videos ansehen oder Inhalte auf sozialen Medien teilen.  Mehr Informationen.

Eigene Einstellungen für Cookies festlegen