Bewegen wie wir uns früher bewegten

Mittwoch 21-Dezember-2016

Um zu erfahren, wie oft und wie intensiv wir uns bewegen sollten, schauen wir uns am besten einmal an, wie es unsere entfernten Vorfahren hielten. Fossile Funde sagen jedoch nur wenig darüber aus, wie wir uns bewegt haben. Aber wir können noch immer viel von Naturvölkern wie den Hadza lernen, die sich ihre althergebrachte Lebensweise bis heute bewahrt haben.

 

Die Hadza sind ein traditionell lebender Stamm in Nord-Zentral-Tansania in Afrika. Sie jagen Wild, fangen Fisch und sammeln Knollen, Beeren und Früchte. Noch näher können wir kaum an das Leben unserer Vorfahren herankommen. Aber wie viel bewegen sich die Hadza denn nun eigentlich?

 

75 Minuten pro Tag

Was bei den Hadza auffällt, ist, dass sie sich im Durchschnitt bis zu 75 Minuten pro Tag mäßig bis intensiv bewegen, um für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Zum Vergleich: Viele Menschen im Westen empfinden es bereits als große Herausforderung, auf 150 Minuten pro Woche zu kommen. Was außerdem bei den Hadza auffällt: Es gibt dort nur ein sehr geringes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies zeigt eine Langzeitstudie der University of Arizona (USA).

 

„Hoher Blutdruck ist bei den Hadza eher selten“, erklären die Forscher. „In den USA leidet die Mehrheit der Bevölkerung über sechzig unter Bluthochdruck. Bei den Hadza sind es nur 20 bis 25 Prozent. Und auch die Blutlipidwerte liefern praktisch keine Hinweise darauf, dass bei den Hadza ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht.“

 

Wir leben zunehmend sesshaft

Vielleicht sind nicht alle gesundheitlichen Vorteile einer höheren körperlichen Aktivität zu verdanken. Auch die Ernährung und andere Faktoren können eine Rolle spielen. Dennoch ist es gut, einmal darüber nachzudenken, welche Rolle die Bewegung während unserer Evolution gespielt hat und wie es heute um uns steht.

 

„In den letzten zwei, drei Jahrhunderten sind wir zunehmend sesshafter geworden. Die größte Veränderung scheint während der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts stattgefunden zu haben, seitdem wir unsere Arbeit immer stärker im Sitzen verrichten.“

 

Quantitative Daten

Bei den Hadza hat man zum ersten Mal in größerem Umfang quantitative Daten zur Herzfrequenz mit einem mobilen Herzmonitor gesammelt. Außerdem wurden die Wanderungen der Hadza über längere Zeiträume per GPS aufgezeichnet, sodass gemessen werden konnte, wie weit und wie schnell sie sich täglich bewegen.

 

Die Daten zeigen unter anderem, dass die Hadza während des gesamten Lebens das gleiche Aktivitätsniveau beibehalten. Sie bewegen sich also nicht weniger, je älter sie werden, wie es fast ausnahmslos bei uns der Fall ist. Aber was sagt uns diese Studie nun über das Bewegungsmuster, das wir täglich anstreben sollten?

 

„Man muss sich fragen, welche Arten von Bewegungsmustern die Entwicklung unseres Herz-Kreislauf-Systems, des Nervensystems und der Muskulatur angeregt haben. Die Antwort? Es ist unwahrscheinlich, dass sie täglichen 30 Minuten auf dem Laufband ähneln. Vielmehr geht es hierbei um 75 Minuten pro Tag und mehr“, betonen die Forscher. Und das gilt für Jung und Alt.

 

Literatur

David A. Raichlen et al, Physical activity patterns and biomarkers of cardiovascular disease risk in hunter-gatherers, American Journal of Human Biology (2016).

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